Victor
Andersons "Feri-Tradition" fasziniert mich. Als eine Tradition welche
die Ekstase zelebriert und nicht die Polarität, ist sie für mich
fassbar, erfahrbar, wild und ursprünglich. In Berührung kam ich mit ihr
durch die Werke Starhawks, T.T.Coyles und Francesca De Grandis, welche
– den inzwischen leider verstorbenen Anderson – kennenlernen durften
und die von ihm initiiert wurden. Ich möchte hier weder näher auf seine
Person eingehen, noch eine Abhandlung über Feri schreiben, aber dennoch
sollte ich hier festhalten, wie mich Feri beeinflusst, denn einige der
Grundgedanken sind jene die ich in meinem Herzen fühle und die ich von
der Philosophie her teilen kann. Feri wird mündlich weitergegeben und
nur Eingeweihte erfahren seine vollen Mysterien. Dennoch sind einige
der Techniken veröffentlicht worden, haben eine Eigendynamik entwickelt
und flossen in viele Wicca Zeremonien ein. Parallelen zur
hawaiianischen Huna Magie, zum Schamanismus und sehr ursprünglichen
Kulten a la Voodoo und Santeria sind nicht von der Hand zu weisen.
Für
mich ausserordentlich wichtig ist die Urkraft, die Sternengöttin, jene
Urenergie aus der alles entstand, entsteht und zu der alles
zurückkehrt. Die Kraft die alles ist, die durch alles fliesst und die
in unserem Gottbewusstsein Ausdruck findet. Nicht männlich, nicht
weiblich. Eine Göttin die fassbar wird und in der man versinken kann,
wenn man in sternklarer Nacht hinaus ins Universum blickt. Für sie gibt
es viele Namen und keinen. Ihr Tanz ist der Tanz der Schöpfung und der
Zerstörung. Alle Akte der Liebe und Leidenschaft sind ihre Rituale. Sex
ist ihr heilig, ebenso Stolz, Nein, nicht jener arrogante Stolz der
unsere Gesellschaft heutzutage so oft prägt, sondern der gesunde Stolz,
den man uns so gerne aberkennt um uns zu schwachen und
gesellschaftskonformen Wesen zu machen. Jener Stolz der so gerne
gebrochen wird, weil er stark macht und das Individuum, die Seele
nähert. In Feri wird Lust empfunden und gelebt, liebt man seine Götter,
kommuniziert mit ihnen und sie sind teil von einem.
Feri
ist ein Pfad der Individualität. Nicht schwarz, nicht weiss sondern
einfach kraftvoll und impulsiv, nach eigenen Massstäben. Jedoch erfährt
man die Verantwortung für die Dinge durch die Ausbildung und die Lehren
des Lebens selbst. Wenn man die karmischen Gesetze kennt, dann achtet
man sie oder aber bricht sie in vollem Bewusstsein der möglichen
Konsequenzen. Dies unterscheidet diesen Weg vom klassischen Wicca, in
dem man durch "And it Harm None, do what ye will" bereits ein wichtiges
Gesetz vor der Nase hat. An das ich mich übrigens sehr gerne halte, um
es vorwegzunehmen. Dennoch verteidige ich mich im Falle eines Angriffes
mit allen Mitteln, ebenfalls Feri-like.
Feri hat seine
eigenen Götter und Göttinnen, Wächter und Elementare, seine eigenen
Rituale und Methoden. Das ewige Erkennen und Reinigen von Blockaden, die kraftvollen
Meditationstechniken, das Atmen der heiligen blauen Energie, und vieles
mehr machen es einzigartig im neuen Hexentum. Viele Schwule und Lesben
sowie Bisexuelle fühlen sich in Feri daheim, da jedwede Sexualität
geheiligt wird und Mensch die männlichen und weiblichen Anteile in sich
anerkennt und zusammenführt.
Feri provoziert. Nicht weil es
will, sondern weil es in für Teile der Gesellschaft einfach fremd ist.
Weil es das Wilde in uns lebt. Weil es Trance und Ekstase benutzt um in
die Anderswelt vorzudringen. Weil es das Dunkel und das Licht feiert
und weil es die Grenze zwischen schwarz und weiss, auch in magischen
Dingen, nicht klar definiert. Weil es nah an allem ist, das uns
dogmatische Institutionen als falsch und schlecht weismachen wollen.
Weil es das Leben zelebriert.
Ich bin nicht Feri, aber es
beeinflusst meinen Weg und meine Praxis stark. Ich habe meine eigene
Moral gefunden. Ich weiss was für mich richtig ist und was ich nicht
mit mir vereinbaren kann. Ich kenne meine Götter und bin immer offen
für neue Erfahrungen. Ich lebe progressives Wicca mit starken
Feri-Elementen. Ein interessanter Pfad der Selbsterkenntnis und voller
Überraschungen.