Wicca: Damals und Heute

Träume

Wicca ist neben dem Druidentum und anderen Richtungen des Neuheidentums eine eigene Strömung im Hexentum die das Wiedererwachen der Naturreligionen prägt. Eigentlich begründete den Begriff Gerald Gardener der 1954 in seinem Buch “The Witchcraft Today” teils sehr umstrittene Ansichten vertrat. Vor ihm hatten bereits Charles Leland (“Aradia” ) und die damals berühmte Ägyptologin Margret Murray das Thema Hexen literarisch aufgegriffen, doch Wicca an sich wurde von dem charismatischen Engländer als “Hexenreligion” gegründet. Er selbst behauptete in eine seit langer Zeit bestehenden Hexentradition initiiert worden zu sein. Seine umstrittenen Rituale und teils sexistisch anmutenden Zeremonien sorgten rasch für Gesprächsstoff und viele seiner Anhänger (z.B. Alex Saunders) lösten sich ab und riefen eigene Traditionen ins Leben, die bis in die Gegenwart existieren (Alexandrian Wicca, Saxxon Wicca, ect…).

In den späten Sechzigern und den Siebzigern entdeckten die Feministinnen dieses Gedankengut und begannen die Verehrung der Göttin, welche auch in Gardeners Ur-Wicca einen festen Bestandteil bildet, aufzugreifen. Wicca transformierte zu einem Weg, den vor allem Frauen in die Öffentlichkeit brachten. Mit provokanten, aber notwendigen Aktionen und Ritualen hielt dieser spirituelle Pfad Einzug ins Bewusstsein auch jener, die sich bislang nicht besonders mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Sehr zum Missfallen der Traditionalisten, die vor allem kritisierten, dass in Wicca sowohl der weiblichen als auch der männlichen Kräfte in der Natur Achtung geschenkt werden solle. Nach fast 2000 Jahren patriachaler Gott-Gewalt, Lebensfeindlichkeit und der durch männliche Dominanz verursachten Schäden an Mutter Erde konnte man aber sehr wohl verstehen, dass viele mit männlichen Göttern bzw. deren Vertretern nicht mehr allzuviel am Hut haben wollten.
Immer mehr löste das Wort “Wicca” den Begriff neues Heidentum ab. Lose basierend auf den ursprünglichen Ritualen Gardeners und anderer Quellen, kristallisierte sich rasch die Flexibilität dieses neuen Glaubens heraus. Immer mehr Autoren und Autorinnen nahmen sich des Themas an, liessen ihre eigenen Vorstellungen einfliessen und prägten so ein “neues” Wicca, welches in seinem Facettenreichtum rasch die Herzen von immer mehr Suchenden gewann die einen naturnahen, magisch/mystischen Pfad suchten.

Einen Quantensprung löste Scott Cunningham mit seinem Buch “Wicca-A guide for the solitary practicioner” (auf Deutsch als “Wicca” erhältlich) aus. Der bis anhin durch Bücher über Kräuter und Essenzen bekannt gewordene Autor bekannte sich zum Wicca-Glauben und gab erstmals einen Leitfaden für jene Hexen heraus, die sich keinem Zirkel anschliessen wollten oder konnten. Zwar sorgte auch dieses herzliche und positive Werk bei den Anhängern zeremonieller Traditionen für einen Aufschrei, doch der Weg war geebnet und Cunninghams Buch entzündete ein wärmendes Feuer in den Herzen vieler Menschen. Der Einzug des “modernen Wiccas” in die gegenwärtige Welt der spirituellen Vielfalt hatte begonnen. Zwar stiessen rennomierte Autorinnen wie Starhawk oder Vivianne Crowley schon früher in ähnliche Gefilde vor, aber ihr Schreiben war zu jener Zeit von feministischen und politischen Zügen stark beeinflusst.

Doch nun wurde Wicca auch ein Weg der Individualität, des freien Denkens unter der “Schirmherrschaft” der alten Götter und Göttinnen die man nicht nur im Aussen, sonder auch im Innen erfahren konnte. Ein schamanisch orientierter Pfad der die Harmonie mit sich und der Natur als oberstes Ziel setzt. Der Toleranz lehrt und dessen, in den Siebzigern so starker politischer Aspekt sich auf die Ebene der eigenen Verantwortlichkeit verlagerte. Ein Weg auf dem die Magie als Hexenhandwerk gelernt und gelehrt wird, deren oberstes Ziel das eigene Wachstum und ein erweitertes Bewusstsein darstellt.

Der Samen, von Gardener gesät, von vielen beachtenswerten Hexen und Autor/innen gehegt und gepflegt, entwickelte sich zu einer Pflanze mit vielen unterschiedlichen Blüten welche in ihrer wunderbaren Vielfalt die Schönheit und Dynamik der Natur wiederspiegelt.

Gegenwärtig bestehen alte aber bilden sich auch laufend neue Wicca-Traditionen und die Grenzen zwischen den Begriffen Neuheidentum und Wicca werden zunehmend dünner. Dennoch heben einige rituelle und gedankliche Grundsätze Wicca als eigenständige Religion im neuen Paganismus hervor. In unserem Shop findet ihr viele der wegweisenden Werke. Scott Cunninghams Meisterwerk erschien eben 2001 endlich in deutscher Sprache und beim Lesen dieses herzvollen Buches erklärt sich rasch, warum sich Wicca so positiv entwickelte wie es die meisten nun kennen.
Abschliessend sei bemerkt, dass es zahlreiche Traditionalisten in Wicca gibt, die diesen Begriff nur in Verbindung mit traditionellen Lehren, den von Gardener geprägten Ritualen und starren Zeremonien als treffend anerkennen. Für sie sind jene die modernes Wicca leben nichts anderes als Paganen ohne Anspruch auf dieses Wort. Ich persönlich akzeptiere diese Einstellung und Haltung, doch an der Eigendynamik die der einstmals so geheimnisvolle Begriff erreicht hat, können auch sie nichts ändern. Starre, dogmatische Grundsätze und Bewegungen gibt es innerhalb jeder spirituellen Bewegung und Religion und es scheint wohl in der Natur des Menschen zu liegen…