Merry Meet
Mit Litha, der Sommersonnenwende, die dieses Jahr pünktlich am 21. Juni (Sonntag um 10.24 Uhr kippt die lichte Zeit wieder – auch wenn uns das kaum auffällt) gefeiert wird, offenbart sich uns eines der höchsten Feste keltischer Tradition. Wer kennt sie nicht die Bilder von Stonehenge und Glastonbury, auf denen hunderte Menschen mit naturspirituellem Hintergrund (überwiegend aus druidischen Traditionen aber auch auf dem Pfad der Wicca) die Sonne begrüssen, welche den längsten Tag des Jahres ankündigt.
Mittsommer oder „Midsommar“ sind jene germanisch bzw. skandinavischen Namen, unter denen dieses Jahreskreisfest begangen wird und gemessen daran, dass dem Sommer noch der eigentliche Höhepunkt bevorsteht, ist dieser Name dennoch sehr passend: die Mitte des Sommers.
Räder haben eine Eigenschaft: wenn ein Punkt am höchsten ist, kann es nur in eine Richtung weitergehen, nämlich wieder nach unten.. Und so bleibt bei aller Freude über die Kräfte des Lichtes und ihren Zenit gerade an Litha eines im Hinterkopf: dem längsten Tag folgt bereits einen Tag später die noch sehr sachte wahrzunehmende Kürzung der Tageslichtfreuden.
Für mich als Schreiber dieser Zeilen wurde Litha zu einem besonderen Fest, denn während meiner Lehrzeit im Coven geschahen dann, zwischen Licht und Schatten, immer sehr intensive und ungeplante Dinge. So erhielt ich aus der Anderswelt an einem Feenhügel zwei mal meinen magischen Namen. Das erste Mal war, was ich damals nicht wissen konnte, ein Temporärer. Der Name, der mir ein Jahr darauf am gleichen Ort ins Ohr geflüstert wurde, während wir trommelten und tanzten, ist jener den ich auch heute noch trage. Und von dem ich nach wie vor einiges über mich lerne. In Licht und Schatten.
Litha ist ein Fest der Fülle, der Sonne, ein Fest, an dem die Tore zum Elfen- und Feenreich besonders weit offen stehen. Doch Vorsicht: jene Naturgeister sind nicht immer nur „Licht und Liebe“. Und wer zur falschen Zeit am falschen Ort ist, dem können sie so einige interessante Herausforderungen bescheren. Und entweder macht man dann mit (auf eigenes Risiko) oder man sagt „Nein Danke“ und macht sich vom Acker, bevor sie beginnen, Schabernack zu treiben.
Moderne Hexen-Quellen meinen oft, dass Litha eine nordische Mondgöttin sei, doch dafür lassen sich nicht wirklich anerkannte Hinweise finden.
Jedoch werden diverse Sonnengöttinnen und Götter an diesem Feste besonders in den Mittelpunkt gestellt, und von jenen gibt es in allen Kulturen reichlich. Sunna, Sol, Amaterasu, Baldur, Lugh, Horus, Apollo, um nur einige zu nennen. Und hier regieren ihre nährenden Kräfte und Energien, die sich in den nächsten Wochen besonders über das Land und die Vegetation ergiessen, auch um das Korn zum Reifen zu bringen.
Um dieses magische Fest zu zelebrieren, hast Du viele Möglichkeiten. Von einer einfachen Kerze der Dankbarkeit auf Deinem Altar, bis zu einem individuell durchgeführten Ritual zur Mittagszeit, wenn die Sonne ihren Höchststand erreicht: wichtig ist, dass Du mit dem Herzen dabei bist.
So könntest Du am Vorabend zum Beispiel auch einen kräftigen Kamillentee zubereiten und dann mit dem abgekühlten Tee bei Anbruch der Dunkelheit eine Waschung von Gesicht und Haaren damit durchführen. Die Kamille gilt als Sonnenpflanze und so manche Hexe führt diese Waschung durch um damit etwas vom goldenen Glanz der Sonne ins eigene Energiefeld zu zaubern und sich dabei gleichzeitig von alten Verhaftungen, schlechten Energien, magischen Angriffen und schädlichen Muster zu befreien.
Kamille kräftigt und beruhigt auch innerlich eingenommen. Ihre Heilkraft wird wahrlich unterschätzt (oder nur mit Magen und Darmerkrankungen in Verbindung gebracht).
Sich selbst an Litha mit Sonnenkraft zu Mittag aufzuladen, oder Wasser in die Mittagssonne zu stellen, um es dann genussvoll zu trinken, ist eine wunderbare Möglichkeit, um die Elemente Feuer und Wasser symbolisch und harmonisch zu verinnerlichen. Auch Steine können geladen und dann als Talisman durch die dunkle Jahreszeit getragen werden, um immer das Licht bei sich zu haben.
Ein schönes Ritual ist auch die Hochzeit mit sich selbst. Heiraten im Juni hat Tradition und während an Beltane der erotische Akt zwischen Göttin und Gott im Inneren gefeiert wird, ist es an Litha das heilige Versprechen, dass sie aneinander bindet. Und warum sollte man sich nicht selbst heiraten und sich bewusst machen, dass man niemals wirklich alleine ist und alle Kraft in sich trägt.
Sich selbst zu ehren ist eine wunderbare, und doch seltene Sache, da man dies, gerade in der heutigen Zeit, oft mit einem übersteigerten Ego in Verbindung bringen könnte. Social Media sei Dank. Und doch ist ein Mensch, der diesen Bund mit sich selbst authentisch eingeht und lebt, und nicht vergisst, dass wir Menschen soziale Wesen sind, wird kaum den Fallen des „Egoismus“ ausgeliefert sein.
Denn nur wenn die destruktive Seite der Feuerenergie übersteigert wird, läuft man in Gefahr, mit seinem Licht andere zu verletzen. In Harmonie mit den Kräften des kühlenden Wassers schöpft man aus der Fülle menschlichen Seins und menschlicher Fähigkeiten. Und das Feuer, das dann brennt, ist jenes der inneren Mitte (man denke nur an den Solarplexus und das im Sonnengeflecht aktive Chakra, dass von dort aus die Energieverteilung im Griff hat bzw. haben sollte).
So zelebriere in Sonnenfarben, erlaube Dir Fröhlichkeit und sei Dankbar für die Fülle, die uns Mutter Natur trotz allem immer noch schenkt. Wenn Du Frühaufsteher*in bist, heisse die Sonne morgens willkommen und begrüsse sie mit einem Gebet oder einer Danksagung.
Verwöhne Dich selbst, aber danke auch der Dunkelheit für ihre heilsamen, kühlenden Effekt. Wenn es windig sein sollte, lege ein paar gelbe, orange oder rote Blütenblätter in den Wind, denen Du vorher Deine Wünsche übermittelt hast, und lasse sie von den Geistern des Windes davontragen, um sie mit den Kräften des besonderen Tages gesegnet den Sonnengöttinnen und Göttern mitzuteilen, damit sie Dich bei der Erfüllung dieser Wünsche mit Freude und Fülle unterstützen.
Geniesse den längsten Tag und zelebriere die kürzeste Nacht des Jahres. Und sei Dir der Notwendigkeit von Licht und Dunkel bewusst. Keine dieser Kräfte ist nur „gut“ oder nur „schlecht“. In beiden schlummert das Potential von Wachstum und Erkenntnis genauso wie das von Zerstörung und Blindheit. Ihr heiliger Tanz ist es, der das Leben vorwärts bringt und damit auch uns. Und wenn ab Sonntag die Dunkelheit noch nahezu unbemerkt wieder ihre Regentschaft plant, so heissen wir sie ebenso willkommen. Aber nicht ohne uns vorher im Licht zu baden und diesen Höhepunkt in unserer Mitte zu verankern.
Blessed Litha
Blessed Be


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