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Man könnte das Göttliche einfach auch als "das Leben" bezeichnen, denn in ebendiesem offenbart und erfährt es sich in unzähliger Pracht und Weisheit. Für viele unbewusst erlebt und in starre Formen gepresst, für andere wiederum ausgedrückt in unendlicher Vielfalt und unzähligen Möglichkeiten.
Die Götter an sich sind in vielen modernen Hexentraditionen die verdichtete Essenz des Lebens in verschiedenen Eigenschaften und Formen. Manche bezeichnen sie als Ausdruck dessen was man als "höheres Selbst" bezeichnet. Manifestiert in den Anderswelten findet sich ihr Ausdruck vor allem seit Urzeiten in der Natur und je weiter wir diese und das Universum an sich erforschen, desto breiter erweitert sich das Bild der Gottheiten. Die Götter gehen ebenso mit der Zeit und sind keine starren, verromantisierten und an starre Mythen gebundene Wesen, auch wenn sie mit diesen verwoben sind und innerhalb der Traditionen so auch respektiert werden. Ihre Wahrnehmung ist jedoch oft an den Bewusstseinsfilter des Wahrnehmenden gebunden. Die Geburt des Universums, des Lebens, der Beginn der Polarität als Quelle möglichen Erlebens und Erfahrens drückt sich in vielen Schöpfungsmythen aus.
Manche weise, manche wild, manche voll
Poesie und einige auch sehr abstrakt und mit gar nicht noblen,
manipulierenden Hintergedanken. So ist gerade der Biblische ein gutes Beispiel für letzteres, denn Äpfel und
Schlangen waren heilig bis dorthin und das Evas Verführung durch den Teufel einen guten
Nährboden für die Diskriminierung der Frauen legte ist auch nicht von
der Hand zu weisen. Aber vertiefen wir dieses Thema nicht und widmen
wir uns den schönen Dingen. In der Feri-Tradition gibt es einen
Schöpfungsmythos, der inzwischen vielzitiert und verwendet wird und der
für mich voll Weisheit und Poesie ist. Der die Entstehung des
Universums und die Liebe des Göttlichen für die Schöpfung auf herrliche
Weise ausdrückt, ja, der sogar explizit beinhaltet, das wir alle Teil
des Göttlichen und mit allem verbunden sind. Das die Götter nicht nur
ausserhalb von uns zu finden sind, sondern das wir alle göttlich sind.
Und das männliche und weibliche Anteile in jedem Menschen zu finden
sind. Durch die Vereinigung von den beiden Polen IN uns können wir
Ganzheit erlangen und vieles wird möglich.
Um
es vorwegzunehmen: Dieser Schöpfungsmythos lebt davon, dass wir ihn mit
unseren eigenen Worten weitererzählen, ausschmücken und so immer wieder
aufs neue erschaffen. Ich erlaube mir dennoch jene Variante hier
niederzuschreiben, die – nicht ohne Grund – inzwischen am bekanntesten
ist: jene aus Starhawks „Spiral Dance“ zu deutsch „Der Hexenkult“:
Allein,
ehrfurchtgebietend, in sich ruhend flutete die Göttin, Sie deren Name
unaussprechlich ist, in den Abgrund der äusseren Finsternis, vor dem
Anbeginn aller Dinge. Und als sie in den gewölbten Spiegel des
schwarzen Raumes blickte, erkannte sie darin ihr strahlendes Bildnis
und verliebte sich in es. Durch die Kraft die ihr innewohnt, zog sie es
hervor, vereinigte sich liebend mit ihm und nannte es „Miria –
dieWunderbare“.
Ihre Ekstase brach hervor als Lied über alles, was
ist und war und sein wird, und mit dem Gesang kam die Bewegung,
entstanden Wellen, die herauswirbelnd zu den Sphären und Kreisen aller
Welten wurden. Die Göttin wurde von Liebe erfüllt, sie ward rund und
warm vor Liebe und gebar einen Regen leuchtender Geister, welche die
Welten erfüllten und zu Geschöpfen wurden.
Doch in der grossen
Bewegung wurde Miria weggespült, und mit der Trennung von der Göttin
ward sie immer männlicher. Zuerst war sie Dian-Y-Glas, der blaue Gott,
der sanfte und lächelnde Gott der Liebe; dann der weinblattumschlungene
Grüne Gott, der in der Erde verwurzelte, der Geist der wachsenden
Dinge. Schliesslich wurde sie zum Gehörnten Gott, zum Jäger, dessen
Antlitz der roten Sonne gleicht und doch finster ist wie der Tod. Doch
immer zieht ihn Sehnsucht zurück zu der Göttin, so dass er sie ewig
umkreist, trachtend, in Liebe wiederzukehren.
Alles hat seinen
Ursprung in der Liebe. Alles sucht zur Liebe zurückzukehren. Liebe ist
das Gesetz, die Mutter der Weisheit, die grosse Offenbarende der
Mysterien.
Versuche
einmal zu diesem Text zu meditieren. Versinke im Strudel der Schöpfung
und visualisiere das Erzählte. Es wird möglicherweise ein intensives
Erlebnis sein, das Dich und Deine Denkweise für immer verändern kann.
Alles im Universum ist Tanz, Bewegung, Anziehung und Abstossung im
Wechselspiel. Die Spirale ist der Ausdruck des Ewigen. Ein wahrhaft
heiliges Symbol. Wunder, übte der Anblick einer Galaxie schon immer
eine magische Anziehung auf mich aus und bringt mein Herz zum klingen.
Und ich bin sicher nicht der Einzige.
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